Warum Tragen?

Menschenbabys sind Traglinge.
Sie sind, wie auch z.B. Affen, Kängurus und Koalas, eine physiologische Frühgeburt.
Die Reifung geschieht am Körper des Erwachsenen, denn dort gibt es sämtliche Impulse für alle lebenswichtigen Funktionen.
Durch den Körperkontakt und die übertragenden Bewegungen werden beispielsweise die Verdauung, die Atmung und die Temperatur des kleinen Menschenkindes reguliert.
Sie sind "Steinzeitbabys". Einfach weggelegt zu werden bedeutet für das Baby pure Todesangst: gefressen zu werden, zu verhungern, zu erfrieren usw.
Unsere Babys wissen nicht, dass wir in festen Häusern mit abschließbarer Haustür wohnen - und des nachts nicht der Säbelzahntiger kommt...
Ihr Urinstinkt packt auch heute noch: 
sie wollen stets nah und geborgen bei ihren Bezugspersonen sein, sowie ihre typische 10 Monate gewohnte Nestwärme spüren.

Hinzu kommt, dass ihr Körper einfach für das Tragen gemacht ist. Wenn man sich ihren Körper und die Motorik ansieht: Nimmt man das Baby hoch, so zieht es automatisch die Beine an, wie auch in der typischen Tragehaltung.
Die Hüftreifung wird durch eine korrekte ergonomische Stellung gefördert und wirkt einer Hüftdysplasie / - Luxation vor. Sollte bereits eine Therapie vorliegen, so kann das Tragen therapiebegleitend eingesetzt werden (auch bei einer Spreizhose, Schiene oder Gips).
Das Kind geht jede Bewegung des Tragenden mit, sodass der gesamte Bewegungsapparat, der Muskeltonus und die Gleichgewichtsorgane angeregt und geschult werden.

Es stärkt die Bindung und Stillbeziehung (Stillen durch die Brust, sowie die Gabe von Flaschennahrung).
Beim Tragen und Kuscheln wird Oxitocyn ausgeschüttet, welches oft als ein Antistresshormon bezeichnet wird. Dieses wird auch bei der Mutter zur Milchbildung benötigt.
Kinder die getragen werden und dauerhaft den engen Körperkontakt spüren weinen weniger und sind ausgeglichener. Viele Bedürfnisse werden eher wahrgenommen und richtig erkannt, sodass wir schneller darauf reagieren und handeln können.
Das Baby fühlt sich an der tragenden Bezugsperson sicher und geborgen.

Tragen wirkt sich positiv auf die neuronale Entwicklung aus, da es dem Kind nur so viele Impulse und Reize gibt, wie es gerade auch verarbeiten kann.
Durch die sichere Geborgenheit kann dein Kind viel mehr kognitiv aufnehmen.
In den ersten Lebenswochen überträgst du beim Tragen deine Bewegungen, ebenso aber auch deinen Geruch, deine Atmung und vieles mehr.
Das Kind ist eng an dir dran und kann sich somit erst einmal mit dir vertraut machen.
Später dann kann sich das Kind umschauen und mehr entdecken, sich aber auch genauso gut wieder in das Tuch oder die Tragehilfe verkrümeln, sich zurückziehen und nochmal ein Ründchen schlafen, wenn die neuen Reize zu viel werden und es erst einmal alles verarbeiten muss.
Dadurch, dass du dein Kind so nah bei dir hast, sprichst du auch automatisch mehr mit ihm, was sich ebenfalls gut auf die Bindung und Beziehung auswirkt.